Abenteuer Wortschatz: Rendition

Heute lade ich Sie auf eine Forschungsreise in die Welt der Worte ein, die Sie selbst direkt am Computer nachvollziehen können. Nehmen Sie sich etwas Zeit, kommen Sie mit, und Sie werden einiges lernen!

Vergangenen Sonntag, am 4.9.2011, brachte die renommierte britische Zeitung „The Guardian“ einen spannenden Artikel zum neusten Skandal im „War on Terror“, unter der Überschrift:

Libyan papers show UK worked with Gaddafi in rendition operation

Was war geschehen? „rendition“ bezeichnet gemeinhin die künstlerische Darbietung eines interpretationsfähigen Kulturgutes, etwa eines Liedes oder Gedichtes, oder es hat etwas mit Urteilen vor Gericht zu tun. Hatte man im Vereinigten Königreich etwa gemeinsam mit dem Gaddafi-Regime eine Fernsehshow geplant? Wollte man juristische Entwicklungshilfe leisten?

Oder was bedeutet „rendition“ sonst noch? Vielleicht lesen Sie einfach jetzt den Artikel, um sich dann gegebenenfalls einen Reim darauf machen zu können!

Falls Sie dann doch lieber genau die Übersetzung haben möchten, führt die Recherche zu den einschlägigen Englisch/Deutschen Wörterbüchern. Hier ist “rendition” in:

Leo dict.cc uni-leipzig
die Darbietung
die Urteilsfällung
die Urteilssprechung
die Verkündigung
die Verkündung
die Wiedergabe
die Interpretation
Wiedergabe
Verkündung
Urteilsverkündung
Fällung
rendition – Fällung
color rendition – Farbwiedergabe
graphic rendition – Darstellungsart
contrast rendition – Kontrastwiedergabe

Das war wohl nix. Keine dieser Bedeutungen passt für die Guardian headline und den Artikel dahinter. Dann lohnt vielleicht ein Blick in einige der einsprachigen Wörterbücher:

macmillan merriam-webster FreeDictionary (AHD) FreeDictionary (Collins)
a particular way of performing a song, poem, piece of music etc the act or result of rendering such as
a: surrender
b: translation
c: performance, interpretation
1. The act of rendering
2. An interpretation of a musical score or a dramatic piece.
3. A performance of a musical or dramatic work.
4. A translation, often interpretive.
5. A surrender.
(American Heritage Dictionary)
1. a performance of a musical composition, dramatic role, etc.
2. (Literary & Literary Critical Terms) a translation of a text
3. the act of rendering
4. (Military) Archaic surrender
(Collins English Dictionary)

Auch hiervon hilft nichts! Aber Macmillan gibt noch einen interessanten Hinweis auf eine Spezialbedeutung:

extraordinary rendition – the practice of moving prisoners from one state to another in a way that is illegal, often so that they can be questioned and hurt to make them give information

Das dürfte in der Tat gemeint sein. Nur: The Guardian benutzt „rendition“ in dem online-Artikel 13mal, und nie ist von „extraordinary“ die Rede. Ist „rendition“ in diesem Sinne „ordinary“ geworden?

(Nebenbei: Jetzt haben wir zwar die Bedeutung, aber was bleibt ist ein ernsthaftes Übersetzungsproblem. dict.cc kennt auch diese Wendung, übersetzt allerdings: „extraordinary rendition“ – „außerordentliche Auslieferung“. Das ist eindeutig Unfug und hätte uns jetzt nicht viel weitergeholfen. Wir müssen wohl warten, bis ein deutsches “Leitmedium” (Stern, Spiegel, Zeit) einen entsprechenden Ausdruck prägt. Hoffentlich wird er klarer, weniger verschleiernd. “Folterverschleppung” fände ich nicht schlecht.)

Besser wird dieser Sachverhalt in den Oxford Dictionaries erklärt:

rendition – 2: (also extraordinary rendition) (especially in the US) the practice of sending a foreign criminal or terrorist suspect covertly to be interrogated in a country with less rigorous regulations for the humane treatment of prisoners.

Halten wir fest: „rendition“ in diesem Sinne geht auch ohne „extraordinary“, und so benutzt es auch der Guardian, die anderen Zeitungen, die Nachrichtenagenturen…. Nur die meisten Dictionaries berücksichtigen diese Bedeutung einfach nicht.

Im Oxford Dictionary erfahren wir auch, weiter unten in den „word trends“, dass sich dieser Sinn bereits auf das  sehr häufige und bedeutungsreiche Verb „to render“ übertragen hat, zum Beispiel: „he was seized in Pakistan and later secretly rendered to Morocco“. Schauen Sie doch mal nach, ob ein anderer Dictionary diese Bedeutung schon kennt!

Was haben Sie gelernt?

Wenn Sie möchten, können Sie weiterforschen. Sie könnten in einigen einschlägigen Medien (bbc, Guardian, Independent, economist, Washington Post, cnn, Reuters… ) nach dem Stichwort „rendition“ suchen und die neusten Geschichten verfolgen. Oder Sie schauen Sie sich den ausführlichen Wikipedia-Artikel an, der viele Details zur Entwicklung dieser Praxis in den letzten 20 Jahren enthält.

Lassen wir’s gut sein. Anfangs versprach ich, wenn Sie sich Zeit nehmen und diesem Weg folgen, werden Sie lernen. Falls Sie es getan haben, falls sie also dem einen oder anderen Link gefolgt sind und sich etwas durchgelesen haben, dann wäre vielleicht jetzt eine Gelegenheit, diese Behauptung zu überprüfen. Einige Vorschläge hätte ich:

  • Über „rendition“  wissen Sie jetzt ziemlich viel. Je mehr Sie gelesen haben, desto mehr Englisch haben Sie nebenbei mitgenommen. Beispielsweise lernen Sie schon, wenn Sie sich die Definitionen in einsprachigen Wörterbüchern sorgfältig durchlesen.
  • Sie haben etwas über Online-Wörterbücher erfahren. Seien wir froh, dass wir sie haben, und die alten mit dem gelben Umschlag nicht mehr herumtragen müssen. Aber sie sind mit Umsicht zu benutzen. Hier liegt ein Stück Medienkompetenz, das für den Lernprozess enorm wichtig sein kann. Leo & co. haben ihre Grenzen!
  • Diese Erfahrungen und Lernprozesse machen Sie immer dann, wenn Sie sich auf solche Entdeckungsreisen begeben. Das Netz steht Ihnen dafür offen. Ich interessiere mich für Sprachen, für Politik, für Technik… und Sie?

Beginnen Sie bei Ihren eigenen Interessen, nehmen sie die Sprache, die Sie lernen möchten, und machen Sie Ihre eigene Abenteuerreise durch’s Netz. Sie können direkt anfangen, und Sie werden lernen.

Übrigens geht die Geschichte weiter. Ich habe angeregt, einen entsprechenden Leo-Eintrag aufzunehmen. Mal sehen, vielleicht wird es ja was. Ich bleib dran, Sie auch?

Lernstrategie Kino? Z.B. FantasyFilmFest

Heute beginnt in Köln das jährliche FantasyFilmFest (FFF), übrigens zum 25ten Mal. Ab dem morgigen Donnerstag (25.8.) und über’s Wochenende gibt es wieder Dutzende brandneue Filme aus den Genren Fantasy, Horror und Science Fiction. Die Bandbreite an Themen, Herkunftsländern, aber auch an Qualität, ist groß. Das FFF ist für alle Hobby-Cineasten eine exzellente Möglichkeit, sich einen gewissen Überblick über die Produktionen des vergangenen Jahres zu verschaffen Englischlernen im Festivalkino? mehr…

Lernen: Alt und Jung

Lernen ist prima, wir tun es ständig und können es überall um uns herum beobachten. Es ist aber auch nützlich, etwas darüber zu wissen, denn es sind viele merkwürdige Mythen über das Lernen unterwegs, die manchmal gar nicht hilfreich sind.

Mythos: Kinder lernen leicht

Eine besonders beliebte Theorie: Kinder lernen leicht, Erwachsene haben’s schwer, Ältere haben’s schwerer. Nein, so kann man das wirklich nicht sagen.
weiter mit Alt und Jung

Who Needs the Present Perfect?

Der (unter Englischlehrern) bekannte Autor Scott Thornbury hat neulich seinen Blog dem guten alten Present Perfect (kurz PP) gewidmet. Seine Erklärung ist ausgezeichnet, aber mir stellt sich die Frage: Wer braucht das, und wenn ja, ab wann?
… Present Perfect wird hier entschärft …

DVD-Empfehlung: Rome

Im Juni 2011 zeigt arte diese tolle britisch/amerikanische Serie zum ersten Mal im richtigen Fernsehen. Ich nehme das zum Anlass, „Rome“ hier vorzustellen. Allerdings nicht, damit Sie arte schauen, obwohl das generell eine gute Idee ist.

Gönnen Sie sich Rome im Original auf DVD, es lohnt sich!
… hier geht’s weiter mit diesem Artikel

Eine neue Seite…

… gibt es im FremdsprachenBlog. Gesetz und Regeln erläutert, wie die das Grundgesetz und die “Goldenen Regeln” (zum Beispiel die Regel 2: Bleib Dran!) zu verstehen sind und wie sie zusammenhängen.

Man erreicht die Seite  jederzeit über das Menü im oberen Bereich. Zusammen mit weiteren Gebrauchshinweisen wird sie nach und nach ergänzt!

Regel 2: Bleib dran!

Das Lernen von Sprachen gehört zu den Dingen, die Menschen können. Es ist so natürlich wie das aufrechte Gehen oder das Benutzen unserer Hände.

Aber, egal ob Muttersprache oder Fremdsprache, es ist ein umfangreicher und komplexer Lerngegenstand. Für den Erfolg ist es absolut entscheidend, dass man sich davon nicht allzu schnell frustrieren lässt. Daher ist es mir eine goldene Regel wert, die Nummer 2 (die Nummer 1 ist noch einfacher und wichtiger, die kriegen wir später).

Bleib dran!

Das sagt sich so leicht. Die meisten haben ja schon sehr viel Zeit ins Englischlernen investiert (6 Schuljahre entsprechen 1.200 bis 1.400 Unterrichtsstunden oder gut 6 Monaten Vollzeit-Arbeitsleistung). Meist ist dabei, nach eigenem Empfinden, nicht so viel herausgekommen. Jetzt soll man von Neuem geduldig sein? Das ist nicht eben einfach.
… wie man dranbleibt? erst mal hier klicken …

Wie man ins Verstehen kommt

Das Grundgesetz in der Praxis

Bevor ich noch weiter in die graue Theorie eindringe, möchte ich heute ein Beispiel dafür geben, wie man das Grundgesetz anwenden kann. Ich formuliere es mal etwas anders:

Ich muss nur Fremdsprache verstehen, und schon lerne ich.

(Grundgesetz des (Fremd)Sprachenlernens)

Da schließen sich direkt Fragen an: Wie komme ich denn ins „Verstehen“? Ist jede Art von „Verstehen“ gleich gut geeignet? Wie viel muss ich verstehen, und wie lange?

Auch individuelle Einwände sind schnell bei der Hand: Ich habe doch keine Zeit, mir irgendwas durchzulesen. Ich verstehe nichts, das ist ja grade mein Problem. Ich bringe die nötige Disziplin nicht auf. Die Betrachtung solcher Einwände ist sehr wichtig, wenn Sie Sprache lernen wollen. … mehr zum verstehen …

Das Grundgesetz des Sprachenlernens

Die meisten meiner Postings werden ganz konkrete Hinweise erhalten. Es werden Berichte meiner eigenen Reise durch die Welt der Lernmedien und Lerngelegenheiten sein, Geschichten von Anderen, Vorschläge zum Ausprobieren und Nachmachen und Variieren.

All das orientiert sich an einem übergeordneten „System“, und es wird weit über eine „Methode“ im üblichen Sinne hinausgehen. Zu diesem System gehören unter anderem auch eine Reihe von „goldenen Regeln des Sprachenlernens“, die man in Zusammenhang mit allen Aktivitäten bringen kann. Das Ganze wird sich nach und nach immer mehr entfalten. Manches wird zu ganz überraschenden Thesen und Erkenntnissen führen.

Mitten im Zentrum der Regeln und des gesamten Systems aber steht ein einfacher Satz, das “Grundgesetz des Sprachenlernens”. Es lautet:

Man lernt (Fremd)Sprachen, indem man sie versteht.

…hier klicken zum weiterlesen…

Sprachen lernen statt lehren – zur Einführung

Dieser Blog ist für Menschen, die gerne eine Sprache lernen möchten. Oder längst schon dabei sind, Sprachen zu lernen. Auf alle Fälle für Menschen, die mehr darüber wissen wollen, wie man es anstellt. Die schneller vorankommen und mehr Spaß haben wollen, als man gemeinhin zu hoffen wagt.

Das merkwürdigste an diesem Blog ist, dass es ihn nicht schon längst gibt. Zumindest habe ich nirgends Informationen gefunden, die dem Thema auch nur annähernd gerecht werden. Dabei ist es doch so ungeheuer wichtig, Sprachen zu lernen. Hier geht’s weiter!

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